Ziel Europa

von Harald G. Hentrich, Dipl.Pol.

 

Wenn wir von Europa reden, so lohnt es sich daran zu denken, was es in Zukunft einmal sein kann und nicht in kurzatmigen unhistorischen Überlegungen zu verweilen: Europa soll wahrhaftig ein geeinter Kontinent sein, zu dem selbstverständlich auch Russland, Weißrussland und die Ukraine gehören. Europa hat sich längst als Kulturkontinent gebildet, nun muss die politische Einheit folgen. Die Nationalstaaten haben abgewirtschaftet, in Faschismus, Nationalsozialismus und Kommunismus haben sie die höchste Ausprägung der Inhumanität erzeugt. Das kommende Jahrthundert soll der Auflösung nationalstaatlicher Existenz dienen.

Dem setzen wir zwei Institutionen entgegen: Die gesamteuropäische direkte Demokratie mit Gesamtregierung, andererseits die Stärkung der Regionen. Während das eine den Gesamtwillen trägt, dient das andere dem Verankern im kleinen Organismus. Dadurch treten die lange unterdrückten Regionen wieder ins Licht der Politik. Für die gesamteuropäischen Institutionen braucht es eine gut geschulte idealistische Elite, junge, gut ausgebilderte, polyglotte Menschen, die darauf brennen, dem europäischen Volk zu dienen.

Andererseits werden durch die Stärkung der Regionen wieder Mächte frei, die lange unter der Oberfläche verschwunden waren. Dies ist durchaus zu fördern, um den Nationalstaat zu schwächen. Ein Abgleiten in den Provinzialismus früherer Zeiten ist angesichts der gegenwärtigen Kommunikationskanäle nicht zu befürchten.

Neben der Ausbildung einer idealistischen Elite ist ein weiteres nötiges Moment die proeuropäische Diplomatie: in jedem Land Europas gilt es, die benötigten Verbündeten zu gewinnen. Ideologieträger sind zu munitionieren und zu alimentieren. Langfristig müssen geeignete Politiker aufgebaut und gefördert werden. Auf diese Weise kann auch etwa in Russland eine proeuropäische Regierung vorbereitet werden, in vierzig bis fünfzig Jahren könnte Russland beitreten.

Auch Großbritanniens Austritt aus der Europäischen Gemeinschaft wird sich im Nachhinein als Vorteil erweisen: Großbritannien wird durch dezenten Wirtschaftsdruck gezwungen sein, wieder der Europäischen Gemeinschaft beizutreten, aber diesmal ohne Sonderrechte. Spätestens in fünfzehn bis zwanzig Jahren sollte dies der Fall sein.

Die alten Nationaleliten haben viel zu verlieren und müssen darum weiter geschwächt werden. Die Kräfte des freien Wirtschaftsmarktes stehen dagegen Gesamteuropa positiv gegenüber und werden zur Finanzierung der Kampagnen herangezogen.

Werfen wir einen Blick auf das Ziel: Europa reicht vom Mittelmeer bis zur chinesischen Grenze, Nationalismen und politische Chauvinismen sind weitgehend ausgestorben, ersetzt durch einen über mehrere Generationen aufgebauten europäischen Patriotismus. Die Regionen (wie etwa Friesland, Baskenland, Okzitanien, Schottland etc) sind Träger der regionalen Belange und Verwaltungseinheiten. Regionale Sprachen und Dialekte werden gefördert, aber auch die Herausbildung europäischer Gesamtsprachen.

Legitimiert wird dieser europäische Organismus durch direkte Demokratie und vielfältige Möglichkeiten der Einflussnahme der europäischen Bevölkerung.